Anstrengend, intensiv, aber großartig!

Wie schon erwartet, war der Aufenthalt zum Schuljahresbeginn diesmal ganz anders als sonst. Das begann schon vor der Abreise mit der Information, dass wir mit einer Gesamtsumme von 20.000 Euro rechnen könnten. Die hatte Pater Tobias sicher durch die Spenden erlaufen. 

Da ich schon am 18.September in Togo war, konnte ich den Schuljahresbeginn an allen vier Standorten in Ruhe vorbereiten – dachte ich.

Die Regierung hatte den Schulbeginn jedoch vom 19. September auf den 26. September eine Woche nach hinten  verschoben. Weder die neuen Erstklässler noch die neuen Kindergartenkinder waren also bereits angemeldet, damit konnten zwar die Materialien für Agbodrafo und Vogan bestellt und in die Tornister gepackt, aber nicht mit den Namen der Kinder versehen werden. Ohne eine Liste der Kinder konnte der Schneider auch nicht Maß nehmen und die Anfertigung der Schulkleidung beginnen. 

Eine von der Regierung spontan angeordnete Fortbildungsmaßnahme für die Lehrer und Erzieher sorgte für weitere Belastung, da die Kollegien nicht zu meiner Unterstützung zur Verfügung standen. Irgendwie ging es dann doch los mit den Vorbereitungen.

Auch die geplanten Baumaßnahmen für Sodo, Patatoukou und Vogan liefen zunächst schleppend an.  Alle geplanten Bauvorhaben müssen neuerdings vorher schriftlich eingereicht werden, bedürfen der Zustimmung durch das Ministerium und einer technischen Überprüfung von Ort und Bauplänen. Das erschwert erheblich einen zügigen Baubeginn, zumal nicht alle Bürgermeister und Schulaufsichten über die notwendigen Kontakte nach oben verfügen oder auch durch andere Vorhaben sehr eingespannt sind.

In Agbodrafo sind die geplanten Arbeiten zur Stabilisierung und Sicherung der Küstenlinie immer noch nicht konkret in Angriff genommen worden. Einige Schulklassen der von der Erosion bedrohten Grundschule belegen weiterhin die Räumlichkeiten des Kindergartens und beide Kindergartengruppen hocken in einem Raum aufeinander. Die als Übergangslösung gedachte Situation belastet die Arbeit nun schon im zweiten Jahr erheblich. 

Tische und Hocker für Agbodrafo

In Sodo konnten wir nach dem Kontakt mit den zuständigen Stellen einen zügigen Start der Baumaßnahmen erreichen und hatten mit Albert auch einen kompetenten und zuverlässigen Bauleiter vor Ort. Albert stellte sofort einen Bautrupp zusammen, der nach Anlieferung der Materialien unverzüglich mit dem Ausschachten begann. 

In Patatoukou war die Bezahlung der Kindergärtnerin immer noch nicht geklärt. Damit konnten wir uns auch nicht um eine weitere Kraft für den geplanten Anbau bemühen. Die jetzige Kindergärtnerin Elise ist mit 58 Kindern im Alter von 2 1/2 bis 5 Jahren allein in einem Raum. Da ist nur Kinderaufbewahrung, aber kein Vorschulprogramm mit pädagogischen Inhalten möglich. Auch in einem Gespräch  mit dem zuständigen Direktor des Bloc synodale in Lomé konnte keine Lösung in Aussicht gestellt werden, so dass wir vorerst auf einen Baubeginn verzichtet haben. Das Gebäude und die Mauer bekamen jedoch einen neuen Anstrich und die Spielgeräte für den den Hof konnten aufgestellt werden.

Übergabe der Kindergartenkleidung für die „Neuen“

In Vogan konnten dank des unermüdlichen Einsatzes des Direktors die Baumaßnahmen ebenfalls sofort beginnen. Im Juni hatten wir im Vorgespräch mit dem Bürgermeister von Vogan ein „Okay“ erhalten. Hier ist die Situation besonders dringlich: 85 Kindergartenkinder in einem Raum mit zwei Erzieherinnen. 

Nach den verzögerten Vorbereitungen für den Schulstart trafen am 3. November Pater Tobias und sein Laufkollege Dirk am Flughafen von Lomé ein. Unser Partner Mohamed Adzagba stellte freundlicherweise Zeit und Fahrzeug zum Abholen und für die Fahrt nach Kpalimé/Sodo bereit. Nach einer Übernachtung in Agbodrafo ging es dann am Freitag, den 4. November,  zur Unterkunft nach Kpalimé. Einige Deutsche waren schon eingetroffen und wir fuhren weiter nach Sodo, um die Einweihungsfeier vorzubereiten. Am 5. November, fand der erste Marathon für die beiden in Kpalimé statt. Beide kamen mit einem kleinen Umweg auch gut ins Ziel. Die kurze Zeit der Akklimatisierung und der zwar landschaftlich wunderschöne, aber auch kräftezehrende Steigungslauf im Gebirge ließen die Entscheidung ratsam erscheinen, doch auf den zweiten Lauf einen Tag später am Mont Agou zu verzichten.

So trafen die beiden bereits am 6. November in Sodo ein, mit Spannung von der Bevölkerung erwartet. Ein Pater, der aus Deutschland kommt, hier Marathon läuft und die erlaufenen Spende für die Menschen vor Ort zur Verfügung stellt. Sowohl die Neugier als auch die Dankbarkeit waren grenzenlos und kamen in dem wunderbaren Fest am Montag, den 7. November, auch zum Ausdruck. Beim anschließenden Kurzaufenthalt in Patatoukou wurde die Kindergartenkleidung verteilt und die Spielgeräte an die Kinder zur Benutzung frei gegeben.

 

Danach ging es zurück nach Agbodrafo an die Küste. Dort hatte ich uns schon für Dienstag, 8. November, sowohl beim traditionellen Chef canton Apéto Mensah Assiakouley und beim Bürgermeister Victor Gunn, angemeldet. Der Besuch beim traditionellen „König“ war natürlich besonders spannend.

Am Mittwoch, den 9. November, war dann Übergabe des Gebäudes in Vogan angesagt. 85 Kinder nun auf zwei Räume verteilt – eine riesengroße Entlastung mit der Möglichkeit, nun pädagogische Arbeit leisten zu können – auch wenn über 40 Kinder in einer Gruppe immer noch deutlich zu viele sind.

Die Hinfahrt erfolgte mit Moped -Pirogge über den Lac Togo – Moped und war noch einmal ein Stück hautnah erlebter Lebensalltag in Togo.

Zurück ging es über Anecho mit einem kurzen Besuch des dortigen Deutschen Friedhofes aus der Kolonialzeit

Am Donnerstag, den 10. November, stand die Hauptstadt Lomé auf dem Programm: 10 Uhr Empfang in der Deutschen Botschaft beim Botschafter Matthias Veltin – 12 Uhr Treffen mit Boxweltmeister Prinz Lorenzo – Besuch der Kathedrale in Lomé – Bummel über Asi game, den großen Markt.

Beim Chef von Goumoukope

Da die Abreise am Freitag, den 11. November, erst am späten Abend erfolgen sollte, blieb morgens noch Zeit für eine Überfahrt mit der Pirogge zum Wallfahrtsort Togoville. Unser Partner aus Agbodrafo – Dieudonné Amagnan – übernahm die kundige Führung . 

Ein bemerkenswerter Besuch fand damit ein vorläufiges Ende – denn die beiden haben sich schon den ausgelassenen Marathon am Mont Agou für 2023 vorgemerkt. 

Das wird sicher wieder sehr spannend und ereignisreich!

Pater Tobias hat mit seinem Engagement eine sichtbare Verbesserung der Lebenssituation bewirkt, die die Menschen in Togo mit den neuen Kindergartenanbauten immer vor Augen haben und auch nicht mehr vergessen werden.

Nach Aussage von Präfektur und Inspektion ist der Kindergarten in Sodo durch diese Unterstützung zum Modellkindergarten für die Region geworden – mit Toiletten (Tür liefert Charles Ani VI. hoffentlich bald) – Ummauerung zur Sicherheit der Kinder – Pausenspielgeräten.

Die Freude über das gelungene Projekt war allen bei der Einweihungsfeier sichtbar anzumerken.

 

 

 

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